Über die Akropolis von Athen
Die Akropolis ist der heilige Felsen über Athen und das bekannteste Bauwerk der griechischen Antike. In ihrer heutigen Gestalt entstand sie im 5. Jahrhundert v. Chr. in der Blütezeit der athenischen Demokratie. Seit 1987 gehört sie zum UNESCO-Welterbe, und mit über 4,5 Millionen Besuchern im Jahr 2024 ist sie die meistbesuchte archäologische Stätte Griechenlands.
- Blütezeit
- 5. Jahrhundert v. Chr.
- Bauherr des Programms
- Perikles
- Höhe des Felsens
- rund 150 m ü. M.
- Plateau
- ca. 270 × 156 m
- Baustoff
- Pentelischer Marmor
- Parthenon
- 447–438 v. Chr.
- Architekten
- Iktinos, Kallikrates, Mnesikles
- Bildhauer
- Phidias
- UNESCO-Welterbe
- seit 1987
Akropolis oder Parthenon?
Beide Begriffe werden oft verwechselt. „Akropolis“ bedeutet wörtlich „Oberstadt“ und meint den ganzen Felsen mit all seinen Bauwerken. Der Parthenon ist das größte und berühmteste Einzelgebäude darauf, der Haupttempel der Athena. Ein Akropolis-Ticket gilt also für das gesamte Plateau samt Parthenon, Erechtheion, Propyläen und den Hängen.
Geschichte: vom Burgberg zum Heiligtum
Der Felsen war schon in der Jungsteinzeit besiedelt. In mykenischer Zeit, im 13. Jahrhundert v. Chr., stand hier ein Königspalast, geschützt von einer gewaltigen Mauer aus unbehauenen Steinblöcken, die die späteren Griechen für das Werk der Kyklopen hielten. Reste dieser „kyklopischen“ Mauer sind bis heute erhalten. Mit der Zeit verlor der Berg seine Rolle als Herrschersitz und wurde zum religiösen Zentrum der Stadt, geweiht vor allem der Stadtgöttin Athena.
Die Zerstörung durch die Perser
480 v. Chr. eroberten die Perser unter Xerxes Athen und brannten die Akropolis nieder. Auch ein großer Marmortempel, der damals gerade im Bau war, ging dabei zugrunde. Nach dem Sieg über die Perser schworen die Griechen der Überlieferung nach, die zerstörten Heiligtümer als Mahnmal liegen zu lassen. Rund drei Jahrzehnte lang blieb der Felsen eine Ruinenlandschaft, bevor der Wiederaufbau begann.
Das Bauprogramm des Perikles
Um 447 v. Chr. setzte der Staatsmann Perikles ein ehrgeiziges Bauprogramm durch. Finanziert wurde es zu großen Teilen aus der Kasse des Attischen Seebunds, deren Verwaltung Athen nach Athen verlegt hatte. Die künstlerische Gesamtleitung lag beim Bildhauer Phidias. In nur wenigen Jahrzehnten entstanden Parthenon, Propyläen, Nike-Tempel und Erechtheion. Der Biograf Plutarch berichtet, dass der Bau die halbe Stadt in Lohn und Brot brachte: Steinmetze, Bildhauer, Maler, Seiler und Fuhrleute arbeiteten gemeinsam an dem Projekt.
Die Monumente des Felsens
Der Parthenon
Der Parthenon entstand zwischen 447 und 438 v. Chr. nach den Plänen von Iktinos und Kallikrates, der Figurenschmuck wurde bis 432 v. Chr. vollendet. Er gilt als vollkommenstes Beispiel des dorischen Tempelbaus. Im Inneren stand einst die zwölf Meter hohe Athena Parthenos des Phidias, eine Statue aus Gold und Elfenbein. Bemerkenswert ist die Präzision des Baus: Es gibt am Parthenon kaum eine wirklich gerade Linie. Die Säulen neigen sich leicht nach innen und schwellen in der Mitte an, der Unterbau ist sanft gewölbt. Diese optischen Korrekturen gleichen Verzerrungen des Auges aus und lassen den Tempel vollkommen gerade wirken. Rings um die Cella lief ein 160 Meter langer Fries, der die feierliche Prozession der Panathenäen zeigte.
Das Erechtheion
Das Erechtheion wurde zwischen 421 und 406 v. Chr. errichtet, im feineren ionischen Stil. Es vereinte mehrere Kulte unter einem Dach, darunter die Verehrung der Athena Polias und des Poseidon. Hier soll nach dem Mythos jener Wettstreit stattgefunden haben, in dem Athena der Stadt den Olivenbaum schenkte und damit Poseidon ausstach. Berühmt ist die Korenhalle mit ihren sechs Karyatiden, weiblichen Figuren, die statt Säulen das Dach tragen. Die heute sichtbaren Figuren sind Kopien: Fünf Originale stehen im Akropolis-Museum, eine kam nach London.


Die Propyläen
Den einzigen Zugang zum Plateau bildeten die Propyläen, erbaut von Mnesikles zwischen 437 und 432 v. Chr. Das Tor war so angelegt, dass sich der Blick auf die Tempel erst beim Durchschreiten öffnete. Ein geplanter Nordflügel beherbergte eine Pinakothek, einen der ersten bekannten Ausstellungsräume für Gemälde. Vollendet wurden die Propyläen nie, weil der Peloponnesische Krieg die Arbeiten unterbrach.
Der Tempel der Athena Nike
Rechts vor den Propyläen steht auf einer Bastion der kleine Tempel der Athena Nike, der „siegbringenden Athena“, errichtet um 420 v. Chr. von Kallikrates. Von hier reicht der Blick weit über die Saronische Bucht. Die Brüstung der Bastion war mit Reliefs der Siegesgöttin geschmückt, darunter die berühmte „Nike, die sich die Sandale löst“.
Der Südhang
Viele Besucher gehen direkt zum Parthenon und übersehen den Südhang, der zum Ticket gehört. Dort liegt das Dionysostheater, die Geburtsstätte des europäischen Dramas, in dem die Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides uraufgeführt wurden. Daneben steht das gut erhaltene Odeon des Herodes Atticus aus römischer Zeit, das bis heute für Konzerte genutzt wird, von innen aber nur mit Veranstaltungsticket zugänglich ist. Etwas höher liegen die Reste des Asklepieions, eines antiken Heilheiligtums.
Warum die Akropolis ein Symbol der Demokratie ist
Athen gilt als Geburtsort der Demokratie. Die Reformen des Kleisthenes legten 508 v. Chr. den Grundstein für die Herrschaft des Volkes, und unter Perikles erreichte sie im 5. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Genau in diese Zeit fällt der Bau der Akropolis.
Der Felsen selbst war ein Heiligtum, kein Versammlungsort. Politik wurde anderswo gemacht: Die Volksversammlung tagte auf dem nahen Hügel der Pnyx, die Gerichte und die Verwaltung saßen unten auf der Agora. Dennoch ist die Akropolis untrennbar mit der Demokratie verbunden, und das aus einem einfachen Grund. Das Bauprogramm war selbst eine demokratische Entscheidung: Die Volksversammlung bewilligte die Mittel, die Bürgerschaft trug die Kosten, und der Bau gab Tausenden Athenern Arbeit und Lohn. Der Felsen wurde so zum sichtbaren Ausdruck dessen, was eine selbstbewusste Bürgergemeinschaft gemeinsam schaffen konnte.
Diese Verbindung wirkt bis heute nach. Der Parthenon steht weltweit als Sinnbild für die Ursprünge von Demokratie, Philosophie und Wissenschaft, und sein Umriss findet sich in Emblemen von Institutionen rund um den Globus.
„Mit Namen heißt sie Volksherrschaft, weil der Staat nicht auf wenige, sondern auf die Mehrheit gegründet ist.“
Perikles über die Verfassung Athens, überliefert bei Thukydides (2. Buch)Die Panathenäen: das Fest der Stadt
Im Zentrum des athenischen Festkalenders standen die Panathenäen zu Ehren der Athena, alle vier Jahre in besonders großer Form gefeiert. Höhepunkt war ein feierlicher Zug durch die Stadt hinauf zur Akropolis, bei dem der Göttin ein neues Gewand, der Peplos, überreicht wurde. Begleitet wurde die Prozession von Reitern, Opfertieren und Vertretern aller Gruppen der Stadt. Genau diese Szene bildet der Fries des Parthenon ab, was die Bürger Athens auf dem Tempel ihrer eigenen Stadtgöttin verewigte.
Umnutzung, Zerstörung und Raub
Tempel, Kirche, Moschee
Fast tausend Jahre diente der Parthenon als Tempel. In christlicher Zeit, etwa ab dem 6. Jahrhundert, wurde er zur Kirche der Jungfrau Maria umgewidmet. Nach der osmanischen Eroberung Athens im 15. Jahrhundert folgte der Umbau zur Moschee, samt Minarett. Das Bauwerk überdauerte all diese Wechsel weitgehend unbeschadet.
Die Explosion von 1687
Die schwerste Zerstörung kam im Krieg. 1687 belagerte der venezianische Feldherr Francesco Morosini Athen. Die Osmanen hatten im Parthenon ein Pulvermagazin eingerichtet. Als eine venezianische Granate das Dach traf, explodierte das Pulver und sprengte die Mitte des Tempels auseinander. Aus einem fast vollständig erhaltenen Bauwerk wurde über Nacht eine Ruine.
Die Elgin Marbles
Zwischen 1801 und 1812 ließ der britische Diplomat Lord Elgin große Teile des Bauschmucks abnehmen und nach England bringen, darunter weite Strecken des Parthenon-Frieses. Diese „Elgin Marbles“ sind bis heute im British Museum in London ausgestellt. Schon damals war das Vorgehen umstritten; der Dichter Lord Byron kritisierte es scharf. Griechenland fordert die Rückgabe der Skulpturen seit Langem, bislang ohne Erfolg.
Ausgrabung und Restaurierung
Mit der griechischen Unabhängigkeit ab 1832 begann die Rückverwandlung des Felsens in eine antike Stätte. Spätere Zubauten aus osmanischer und fränkischer Zeit wurden entfernt, der Boden systematisch ausgegraben. Im 20. Jahrhundert zeigte sich, dass frühe Restaurierungen mehr geschadet als genützt hatten: Eiserne Klammern rosteten und sprengten den Marmor von innen. Seit 1975 arbeitet ein eigener Dienst an der behutsamen Wiederherstellung. Die alten Eisenteile werden durch rostfreies Titan ersetzt, jeder Stein dokumentiert und an seinen ursprünglichen Platz zurückgesetzt. 2009 eröffnete am Südhang das neue Akropolis-Museum, das die Originalfunde zeigt und einen eigenen Saal für den Parthenon-Fries bereithält.
Die Akropolis heute
Der Felsen ist das Wahrzeichen Athens und zugleich eines der meistbesuchten Denkmäler der Welt. Um ihn vor dem Andrang zu schützen, gilt seit 2023 eine tägliche Obergrenze von 20.000 Besuchern, verteilt auf feste Zeitfenster. Ein 2021 eröffneter Aufzug macht das Plateau heute auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Was als Burg begann und zum Heiligtum wurde, ist heute vor allem eins: ein gemeinsames Erbe, das jedes Jahr Millionen Menschen aus aller Welt auf den Felsen zieht.
Bereit für den Besuch? Auf der Startseite findest du Tickets ohne Anstehen, Kombis mit dem Akropolis-Museum und deutschsprachige Führungen, jeweils mit Live-Preisen.